Historisches

Bärwurz - Zeichnung um 1700

Bärwurz – Zeichnung um 1700

Bärwurz in der Geschichte

Seit alters her war die Menschheit bemüht, Krankheiten und Leiden mit allen möglichen Mitteln zu lindern. Über Jahrhunderte angesammeltes Erfahrungswissen im Bereich der Naturheilkunde wurde jeweils an die nachfolgenden Generationen weitergegeben, die wiederum das Erworbene mit den Erkentnissen ihrer Zeit ergänzte und so ein Wissen um die Heilkräfte der Natur entstand, das bis in unsere Zeit reicht.

Zugegebenermaßen sind die ersten heilkundlichen Erfahrungen der Geschichte aus heutiger Sicht nicht immer nachvollziehbar. Wenn aber die ein oder andere Pflanze in der Historie über verschiedene Epochen hinweg immer wieder genannt wird, so liegt der Verdacht nahe, dass die Pflanze ein besonderes Kraut ist.

Bärwurz im Theriak

Theriak war ein im Altertum weit verbreitetes „Wundermittel gegen Gifte aller Art“. Neben einer Vielzahl von Kräutern wie Ingwer, Angelika, Baldrian oder Johanniskraut findet sich auch „Wurzel von Berwurz“ im Mittelalterlichen Zaubertrank. Samuel Hahnemann, begründer der Homöopathie beschreibt den Theriak so:

„Als Haupttugend desselben gab man an, dass dies Mittel ein sehr kräftiges Verwahrungsmittel vor allen Arten von Giften sei; ein jeder, welcher eine gehörige Menge des Morgens einnahm, war den ganzen Tag über vor Vergiftung sicher“.

Besonderes Interesse galt wohl dem im Theriak befindlichen „durchgeseiheten Mohnsaft“, der nach heutiger Einschätzung nicht nur damals die Sinneswahrnehmung erweiterte…

Die altertümliche Rezeptur verlor ihre Bedeutung im ausgehenden Mittelalter.

„Kostbarer und nützlicher als das reinste Gold“

ist nach Hildegard von Bingen (1098-1179) der von ihr begründete Birnenhonig gegen Migräne. Die Mystikerin des Mittelalters mischte Birnen und Honig und gab neben drei anderen Kräutern als Hauptbestandteil Bärwurzpulver hinzu.

„Dies Mittel vernichtet alle üblen Säfte im Menschen und reinigt den Menschen so, wie ein Geschirr vom Schmutz gereinigt wird“ (Physica)

Hildegard-Medizin spielt in der jüngeren Vergangenheit wieder eine zunehmende Rolle. Gewürzmischungen für Bärwurzbirnhonig sind leicht im Handel zu finden, spezialisierte Apotheken bieten das fertige Naturheilmittel zum Verkauf an.

Bärwurz im Karlsgarten

Im 9. Jahrhundert, nach mehreren Hungersnöten im Reich, erlies Karl der Große das “Capitulare de Villis” eine Verordnung über die Krongüter und Reichshöfe, um dem Leiden der Bevölkerung Abhilfe zu verschaffen.

“Unsere Freileute sollen wohlversorgt und von niemand in Schuldknechtschaft gebracht werden”,

wird Karl der Große zitiert. Um eben das zu erreichen, hat er mit 70 Kapitularien ein Regelwerk aufgestellt, das insbesondere die Ertragskraft der Landwirtschschaft steigern sollte. Die Bewirtschaftungsordnung galt für die übers Reich verstreuten königlichen Güter und diente somit auch dem Wissenstransfer in die ländliche Bevölkerung.

Kapitel 70 beginnt

“Wir befehlen: In den Gärten soll man alle nachgenannten Pflanzen ziehen: Lilien, Rosen, … Bärenwurz,…”

Welche Rolle die im Karlsgarten vorgeschriebenen Pflanzen damals spielten ist heute unklar, jedoch ist unzweifelhaft, das der Bärwurz durch ihren verpflichtenden Anbau im Garten Karl des Großen damals große Bedeutung beigemessen wurde.

Bärwurz im Bayerischen Wald

Erste Verbreitung scheint die Bärwurzel um 1800 in den Hausapotheken der Waldler gefunden zu haben. Es bleibt ein Geheimnis, warum sich in den Bergregionen Spirituosen mit eher herben Geschmacksnoten durchgesetzt haben.

  • Bärwurz im Bayerwald, Erzgebirge, Harz
  • Enzianschnaps im Alpenland
  • Meisterwurzschnaps im Österreichischen
  • Topi (Topinambourschnaps) im Schwarzwald

Gerd Eckert, Brennereibesitzer in Deggendorf, reklamiert für sich die älteste Bärwurzerei zu betreiben. Seine Vorfahren haben 1915 begonnen Bärwurzschnaps herzustellen und die Bayerwald-Medizin an Kunden verkauft. Als ausgesprochen wirkungsvolles Digestiv hat der Wurzelschnaps seinen Siegeszug angetreten und erfreut auch neugierige Gaumen aus dem Norden der Republik.